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Die Organspende – Wieso ich den Ausweis bei mir trage

Ich bin dazu bereit, nach meinem Tod meine Organe zu spenden. Deswegen trage ich den Organspendeausweis bereits seit einiger Zeit immer bei mir. Wie sieht es mit dir aus? Bist auch du zur Organspende bereit? Oder beschäftigen dich die gleichen Sorgen, die auch mich häufig daran zweifeln ließen?

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod

Natürlich war es mir unangenehm, den Organspendeausweis auszufüllen. Immerhin konfrontiert er mich unmissverständlich mit meiner Sterblichkeit. Ich treffe eine Entscheidung, die erst relevant wird, wenn mein Tod eintritt. Und dann muss mein Tod auch noch unerwartet eintreten, weil meine Organe für die Spende intakt und gesund sein müssen. Nach einer Krankheit oder im hohen Alter komme ich wahrscheinlich nicht als Spender infrage.

Der Organspendeausweis erinnert mich daran, dass ich sterben werde. Doch er wirft auch die Frage auf, ob ich bei der Entnahme meiner Organe wirklich tot bin. Denn nachdem mir lebenswichtige, funktionierende Organe entnommen wurden, werde ich definitiv nicht mehr leben können. Wie sicher ist also die Feststellung meines Todes?

Werde ich dann wirklich tot sein?

Bin ich tatsächlich zu 100% tot, wenn mir meine Organe entnommen werden? Oder besteht noch zu 1% die Chance, dass ich noch lebe? Wirkt sich mein ausgefüllter Organspendeausweis auf die Todesfeststellung aus? Kann ich den Ärzten vertrauen?

Der Organspendeausweis

Vielleicht stellst auch du dir solche Fragen. Vielleicht machen dir diese Fragen Angst und halten dich davon ab, den Ausweis bei dir zu tragen. Und vielleicht kann ich ein bisschen dazu beitragen, dass du diese Angst verlierst und du dich doch für den Ausweis entscheidest.

Ich vertraue der Medizin

Ich habe mich intensiver mit meiner Befürchtung befasst, dass Ärzte mich vorschnell für tot erklären oder nicht ausreichend behandeln könnten, weil ich Organspender bin. Diese Gedanken haben mich selbst schockiert, weil ein solches Verhalten nicht nur kriminell, sondern absolut unmenschlich wäre.

Natürlich möchte ich mein Leben nicht vorschnell aufgeben und will mich an jeden noch so kleinen Strohhalm klammern. Aber ich vertraue den modernen medizinischen Möglichkeiten und der ärztlichen Ethik. Ich weiß, dass alles getan wird, um mein Leben zu retten. Und dass ich definitiv und unwiderruflich tot bin, wenn mir Organe entnommen werden.

Auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (kurz: BZgA) erhältst du viele weitere Informationen zur Organspende. Ich empfand sie als sehr aufschlussreich und kann sie deswegen nur weiterempfehlen: www.organspende-info.de

Würdest du eine Organspende annehmen?

Mir hat es geholfen, mir diese Frage zu stellen. Ja, ich würde ein Organ annehmen, wenn damit mein Leben gerettet werden kann. Ich will meinen Tod so lange aufschieben wie möglich. Wenn ein Spenderorgan mir dabei hilft und ich eine gewisse Lebensqualität erhalte, nehme ich es an!

Organspendeausweis
Der Organspendeausweis

Gibt es jedoch keinen passenden Spender, werde ich sterben. Je mehr Menschen sich bereit erklären, ihre Organe zu spenden, desto größer ist für andere Menschen die Chance, gerettet zu werden. Wer weiß, ob du oder ich nicht irgendwann eine Organspende benötigen. Unser Leben hängt dann an Menschen, wie uns, die sich fragen, ob sie spenden wollen oder nicht. Für mich steht fest: Ich kann nicht nehmen wollen, ohne bereit sein, auch zu geben.

Ich benötige meine Organe nicht, wenn ich tot bin

Mit Eintritt meines Hirntods endet meine Existenz. Mein “Ich” findet im Gehirn statt und erlischt, sobald dieses nicht mehr arbeitet. Übrig bleibt lediglich mein Körper. Egal, ob er noch künstlich “am Leben” gehalten wird oder nicht. Ohne funktionierendes Gehirn existiere “ich” in diesem Körper nicht.

Für mich haben die Organe in meinem Körper keinen nutzen mehr, sobald ich tot bin. Wieso sollte ich dann eine Organspende ablehnen? Wenn es einen Menschen gibt, der sein Leben mit einem meiner Organe fortsetzen kann, soll er dieses erhalten. Mit diesem Wissen kann ich doch nicht zulassen, dass meine Organe in einem Grab verwesen. In gewisser Weise wäre ich dadurch sogar für den Tod eines anderen Menschen verantwortlich.

Ein Teil von dir lebt weiter

Abschließend mag ich die Vorstellung, dass ein kleiner Teil von mir weiterlebt. Wie ein anderer Mensch durch meine Lunge atmet. Oder wie mein Herz den Körper eines anderen Menschen mit Blut versorgt. Als würde die Organspende meinen endgültigen Tod aufschieben. Kannst du dich mit diesem Gedanken ebenfalls anfreunden?

Ich sehe für mich in der Organspende keine Risiken oder Nachteile. Stattdessen kann ich dazu beitragen, Leben zu retten und ein System aufrechtzuerhalten, dass nur funktioniert, wenn viele Menschen daran teilnehmen. Also wenn ich schon sterben muss, darf meinem Körper alles entnommen werden, was geeignet ist.

Organspende

 

Die in diesem Beitrag verwendeten Grafiken stammen von der BZgA. Das Urheberrecht, sowie sämtliche Nutzungsrechte an diesen Grafiken liegen bei der BZgA.

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