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TabuTod Beiträge

Wenn der eigene Tod sichtbar wird

Kurz vor der Jahrtausendwende sagte meine Mutter mal zu mir, dass sie ihr Angst bereite. Weil sie den eigenen Tod näher bringt. Weil sie den eigenen Tod sichtbar macht. Mittlerweile weiß ich, wie sie es meinte. In den 90er-Jahren schien der Tod in “weiter Ferne”. Doch das Millennium machte ihn sichtbar, denn seitdem befinden wir uns in dem Jahrhundert, in dem wir sterben. Die ersten beiden Ziffern der Jahre unseres Todes stehen fest. Zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit, schließlich können wir nicht in die Zukunft blicken. Vielleicht gehöre ich zu den wenigen Menschen, die mindestens 112 Jahre alt werden. Dann würde ich doch noch unerwartet einen zweiten Jahrhundertwechsel erleben. Vielleicht kommt es auch zu einer medizinischen Revolution, die uns allen ein viel längeres Leben ermöglicht, als heute vorstellbar.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass meine Zeit innerhalb dieses Jahrhunderts endet. Statistisch gesehen, ungefähr in den 60er-Jahren. Es ist, als liefen unterschiedliche Zeitstränge zusammen. Ende der 1990er-Jahre blickten wir auf Verwandte zurück, die im Laufe des Jahrhunderts gestorben waren. Zum Ende der 2090er-Jahre werden wir es sein, die “längst gestorben” sind und auf die zurückgeblickt wird. Ein seltsames Gefühl, wenn sich der Nebel langsam lichtet und der eigene Tod sichtbar wird.

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Möchtest du unsterblich sein? Ich möchte es nicht.

Im ersten Moment klingt es verlockend. Unsterblich sein. Ich werde ewig leben und habe unendlich viel Zeit. Ich kann tun und lassen was ich will. Ohne Angst vor dem Tod. Vor einem qualvollen Sterben. Vor der Nicht-Existenz und der Verwesung meines Körpers. Ich werde nicht weiter altern und bin ewig jung und leistungsfähig.

Keine verpassten Chancen mehr. Nie wieder zu alt für etwas sein. Ich muss nie wieder sagen, dass ich keine Zeit für etwas habe. Natürlich will ich das! Du willst es doch auch, oder?

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Die Angst akzeptieren – Wieso deine Angst so wichtig ist

Ich habe gelernt, die Angst zu akzeptieren und betrachte den Tod inzwischen als Lebensretter. Das hört sich im ersten Moment seltsam an, aber stell dir vor, du hättest keine Angst vor dem Tod. Es wäre dir völlig gleichgültig, ob und wann du stirbst. Wie würde sich das auf dein Leben auswirken?

Manchmal ärgere ich mich auch darüber, dass ich Angst vor dem Tod habe. Ich sage mir, dass der Tod völlig normal ist. Dass es keinen Grund gibt, weshalb ich Angst davor haben sollte. Kürzlich habe sogar eine Liste unterschiedliche Ängste erstellt, die mich begleiten, um ihnen den Schrecken zu nehmen.

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Habe ich Angst vor dem Tod oder vor dem Sterben?

Zu wissen, dass mein Leben eines Tages endet, bereitet mir Angst. In meinem Brief an den Tod wirkt es vielleicht anders, aber er beschreibt viel mehr die Art, wie ich mit meiner Angst umgehe.

Eigentlich finde ich es sogar gut, dass ich Angst vor dem Tod habe. Ich lebe nämlich sehr gerne und möchte meine begrenzte Zeit ausgiebig nutzen. Meine Angst ist dabei ein gewisser Schutz. Sie verhindert, dass ich mich lebensbedrohlichen Risiken aussetze.

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Bestattungsvorsorge – vorausschauend leben

Ich werde sterben. Das steht fest. Mit Eintritt meines Todes löse ich mich jedoch nicht in Luft auf. Mein Bewusstsein erlischt zwar, aber mein lebloser Körper bleibt vorerst erhalten. Deswegen muss ich mich fragen, was dann mit mir geschehen soll. Mein Leichnam kann nicht einfach an Ort und Stelle liegen bleiben, sondern muss entfernt werden. Mit einer Bestattungsvorsorge kann ich bereits zu Lebzeiten meine Wünsche festlegen. Grundsätzlich stehen mir in Deutschland zwei Bestattungsarten zur Verfügung: Die klassische Erdbestattung und die Feuerbestattung.

Bei meinen Überlegungen zur Bestattungsvorsorge spielen zwei Kernfragen eine große Rolle:

  • Was wünsche ich mir für mich?
  • Wie nehme ich meinen Angehörigen Last ab?

In meiner ersten Bestattungsverfügung wollte ich jeden Schritt exakt festlegen, damit sich meine Angehörigen um nichts mehr kümmern müssen. Nachdem ich ein paar Beerdigungen besuchte und mit Hinterbliebenen sprach, änderte sich meine Meinung. Ich erkannte, dass meine Bestattung nicht nur dazu dienen soll, meinen Körper loszuwerden. Viel mehr soll sie ein wichtiges Ritual für meine Angehörigen und ihre Trauer darstellen.

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Über den Tod sprechen: 40 Fragen (Teil 2, 21-40)

In einem ganz wundervollen Blog, dessen Autorin auf sehr gefühlvolle, bewegende, offene und trotzdem auf besondere Weise auch ungezwungene Art über ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Sterbe- und Trauerbegleitung und als Fotografin von Sternenkindern schreibt, bin ich auf ihren Beitrag “Über den Tod sprechen” und 40 Fragen gestoßen, die sich mit dem Tod, insbesondere dem eigenen, befassen.

Ihr Ansatz, durch eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Tod, einen Teil der Angst ablegen zu können und den “Ernstfall” dabei auf gewisse Weise zu “üben”, gefällt mir und ist letztendlich einer der Gründe, weshalb auch ich über den Tod sprechen und schreiben möchte. Daher gab es für mich keinen Grund zu zögern, als ich ihre 40 Fragen entdeckte.

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Über den Tod sprechen: 40 Fragen (Teil 1, 1-20)

In einem ganz wundervollen Blog, dessen Autorin auf sehr gefühlvolle, bewegende, offene und trotzdem auch ungezwungene Art über ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Sterbe- und Trauerbegleitung und als Fotografin von Sternenkindern schreibt, bin ich auf ihren Beitrag “Über den Tod sprechen” und 40 Fragen gestoßen, die sich mit dem Tod, insbesondere dem eigenen, befassen.

Ihr Ansatz, durch eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Tod, einen Teil der Angst ablegen zu können und den “Ernstfall” dabei auf gewisse Weise zu “üben”, gefällt mir und ist letztendlich einer der Gründe, weshalb auch ich über den Tod sprechen und schreiben möchte. Daher gab es für mich keinen Grund zu zögern, als ich ihre 40 Fragen entdeckte.

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Die Organspende – Wieso ich den Ausweis bei mir trage

Ich bin dazu bereit, nach meinem Tod meine Organe zu spenden. Deswegen trage ich den Organspendeausweis bereits seit einiger Zeit immer bei mir. Wie sieht es mit dir aus? Bist auch du zur Organspende bereit? Oder beschäftigen dich die gleichen Sorgen, die auch mich häufig daran zweifeln ließen?

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Ein Spaziergang am Friedhof – Gedanken zum Tod

Jedes Mal, wenn mich mit meinem Hund unterwegs bin und mich der Spaziergang am Friedhof entlang führt, lasse ich meinen Blick über den Zaun, durch die Bäume und Sträucher hindurch, auf die zahlreichen und überwiegend liebevoll gepflegten Gräber schweifen.

Mit diesem sicheren Abstand betrachtet, scheint es ein schöner Ort zu sein. Friedlich, natürlich, malerisch, gerade dann, wenn die durchs Blätterdach gedämpften Sonnenstrahlen sanft auf die Ruhestätten fallen und Steine und Namen von warmem Licht umhüllt werden.

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Der eigene Tod – Ein persönlicher Brief

Lieber Tod!

Entschuldige bitte, dass ich so oft viel zu gemein zu dir bin, dir sadistische Absichten unterstelle, dich hasse und verfluche, nach dem dir Menschen begegneten, dir mir wichtig waren. Bitte entschuldige auch meine Angst, die immer wieder aufblitzt, wenn ich an dich denke und ich mich frage, wie du wohl bist, wie du aussiehst und wie sich unsere Begegnung wohl anfühlen wird.

Auch für meine Wut und Frustration darüber, dass du nicht gesprächsbereit bist und du ohne meine Einverständnis eine so tiefgreifende Entscheidung für mich triffst und mir alles nehmen wirst, was mich ausmacht – mich, mein Leben – möchte ich mich entschuldigen.

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